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Webshop oder nur Website? Entscheidungsleitfaden für österreichische Hersteller

Webshop oder Website

Wenn du Produkte herstellst oder verkaufst — Möbel, Lebensmittel, Accessoires, Handwerkserzeugnisse, technische Geräte — stellt sich irgendwann die Frage: Baue ich einen Webshop, oder reicht eine Website mit Kontaktformular? Die Antwort ist nicht automatisch „Shop". Manchmal ist die Website mit Anfrage-Pfad die bessere Wahl.

Erste Frage: Wie verkaufst du heute?

Wenn du heute schon regelmäßig an Endkund:innen verkaufst — sei es im Geschäft, auf Messen, über Empfehlungen, über Anrufe oder Mails — und der Verkaufs-Prozess relativ standardisiert ist (feste Preise, klare Versandkosten, unkomplizierte Zahlung), dann lohnt sich ein Shop. Die Kundschaft ist da, du sparst Zeit durch Automation.

Wenn dein Verkaufsprozess dagegen individuell ist — jedes Stück nach Maß, Preise verhandelbar, Beratungsaufwand hoch, Versand komplex — dann ist eine Website mit gutem Anfrage-Pfad oft besser. Ein Shop würde die Beratungs-Qualität erdrücken.

Der Entscheidungsbaum

Vier Fragen beantworten und du weißt, welche Richtung für dich passt:

  1. Hast du standardisierte Produkte mit festen Preisen?
    Ja → Shop lohnt sich. Nein → Anfrage-Website reicht meist.
  2. Schaffst du 20+ Bestellungen pro Monat (realistisch)?
    Ja → Shop lohnt sich. Nein → Anfrage-Website, bis das Volumen steigt.
  3. Ist dein Versand automatisierbar?
    Ja → Shop geht. Nein (individuelle Maße, Sonderlogistik) → eher Website mit Anfrage.
  4. Willst und kannst du laufend Produkte pflegen?
    Ja → Shop. Nein → Website.

Wenn du dreimal „Ja" sagst: Webshop. Wenn du zweimal oder öfter „Nein" sagst: Website mit Anfrage-Pfad. Bei „Mischung" — Hybrid-Ansatz (einzelne Bestseller-Produkte im Shop, Rest als Anfrage).

Die vier Plattform-Optionen — kurz eingeordnet

Wenn du dich für einen Shop entschieden hast, sind die vier realistischen Optionen:

  • Shopify: Gut für Shops mit 20+ Produkten und höherem Volumen. Monatsgebühr ab €29. Alles „out of the box". Weniger geeignet für sehr individuelles Design oder komplexe B2B-Logiken.
  • WooCommerce: Gut für Shops, die in eine WordPress-Website integriert werden. Keine Plattform-Gebühr, aber mehr Wartungsaufwand. Ideal für Content+Shop-Kombinationen.
  • Hostinger Horizons: Relativ neu, AI-gestützt. Gut für Einstiegs-Shops mit kleinem Produkt-Portfolio und begrenztem Budget. Weniger geeignet für hohes Volumen.
  • Custom mit Next.js: Für sehr individuelle Anforderungen, B2B, ERP-Integration, Multi-Shop. Einmalige Entwicklungs-Kosten, volle Kontrolle, keine Abo-Gebühr.

Details zu den Plattformen findest du auf der Shop-Beratungsseite.

Budget-Richtwerte

Ein Shop ist teurer als eine Website — das liegt an Zahlungs-Integrationen, Versand-Logiken und Compliance-Themen (Widerruf, AGB, DSGVO-Checkout). Realistische Einstiegs-Budgets:

  • €3.000–6.000: Einstiegs-Shop mit 5–20 Produkten auf Shopify oder Hostinger Horizons. Standard-Zahlungen, einfacher Versand.
  • €6.000–15.000: Wachstums-Shop mit 20–200 Produkten, mehrere Zahlungsdienstleister, Versand-Automation, Marketing-Integration.
  • €15.000+: Individuell oder B2B. Custom-Entwicklung, ERP-Integration, Kundenrabatte.

Warum viele Shop-Projekte scheitern

Drei typische Fehler:

Fehler 1: Falsche Plattform-Wahl — Shopify für einen B2B-Shop mit Kundenrabatten (zu starr). Oder Custom-Entwicklung für einen 10-Produkt-Shop (überdimensioniert). Die Plattform muss zu Scope und Volumen passen.

Fehler 2: Compliance vernachlässigt — Österreich hat spezifische Anforderungen (Widerrufsrecht-Button, Preisangaben-Verordnung, DSGVO-Checkout). Wer das am Anfang spart, bekommt nach Launch rechtliche Probleme.

Fehler 3: Kein klarer Schritt-Plan — Wer direkt den „Vollausbau" mit 200 Produkten, 15 Zahlungsdienstleistern und internationalem Versand baut, verheddert sich. Besser: MVP mit 5–10 Produkten, dann in Phasen skalieren.

Meine Empfehlung

Bevor du dich für einen Shop entscheidest, mach ein 30-Minuten-Gespräch mit jemandem, der ehrlich ist. Nicht mit einem Shopify-Partner (der wird dir Shopify verkaufen). Nicht mit einem WooCommerce-Spezialisten (der wird dir WooCommerce verkaufen). Sondern mit jemandem, der alle Optionen kennt und dir sagt, was wirklich zu deinem Geschäft passt.

Bei uns kostet diese Beratung nichts. Wir haben keine Plattform-Bindung, keine Partner-Provisionen. Wir empfehlen, was zu dir passt — auch wenn die Empfehlung ist, erstmal keinen Shop zu bauen.

Webshop-Beratung ohne Plattform-Bindung